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Das Leben bauchen
(Kurzprosa)

Klappentext:

In ‚Das Leben bauchen‘ werden wieder allerlei skurrile Fragen
beantwortet.
Wie man sich als Fehler fühlt, was es mit Schmetterlingsschweiß
auf sich hat und um welche Sprache es sich bei pingolenisch
handelt …

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Leseprobe:

Der Mamaduft

Ich habe das lange nicht mehr gemacht. Mich hingesetzt und nichts zwischen uns kommen lassen. Heute war mir danach, es mal wieder zu tun. Ich habe mich auf das Sofa gesetzt, die Hände in den Schoß gelegt und an dich gedacht, ohne dass irgendetwas anderes eine Rolle gespielt hätte. Es gab nur dich und mich. Da saß ich nun, minutenlang. Doch irgendwie ist nicht wirklich etwas passiert. Ich hatte einige Bilder, die ich so oft habe, wenn ich an dich denke. Deine jahrelange Krankheit, dein Tod, das Begräbnis. Selbst davon haben viele Eindrücke gefehlt, das spürte ich. Zu wenig fiel mir ein und ich musste mich anstrengen, weitere hervorzuholen.
Seit zig Jahren bist du nun nicht mehr da und ich hatte das Gefühl, du bist verblasst, zu guten Teilen vergessen und eine Traurigkeit breitete sich in mir aus, deshalb. Mir war, als würde man selbst verblassen, wenn man seine Mama nicht mehr spürt.

Dann erinnerte ich mich an einen Moment, der nichts mit Gehirntumor zu tun hatte, nichts mit Pflegefall oder Verderb. Es war ein Wintermoment zu einer Zeit, wo Heiligabend noch viel Schnee zu bieten hatte und du noch gesund warst. Den Tag über versuchte ich immer, dahinterzukommen, was ich wohl geschenkt bekommen würde, doch das Wohnzimmer blieb bis zum Abend verschlossen. Mit einer Glocke hast du meine Qual beendet und die Bescherung ausgerufen und ich weiß noch, dass du mich auf ein besonderes Geschenk aufmerksam machen musstest, weil ich es irgendwie nicht gesehen hatte: ein Terrarium mit Schildkröten.
Mit einem Mal fielen mir viele solcher Momente ein, die ich mit dir verleben durfte und ich hatte den Duft deiner Haut in meiner Nase. Ein Duft, den ich nach dir nie wieder riechen durfte. Ein Mamaduft!
Ich habe mich in Embryostellung auf das Sofa gelegt, weil ich mich so sehr danach sehnte, an dir riechen zu dürfen und wusste, es nie wieder zu können.

Wenn ich könnte, würde ich mit jemandem tauschen, der noch eine Mama hat. Ich würde sie bitten, nur einmal an ihr schnuppern zu dürfen. Die Stelle am Hals, etwas unterhalb des Ohrläppchens. Ich bin sicher, dass es da für Unzählige so riecht, wie es für mich riechen sollte und wie es für mich nie wieder riechen wird.

 

Ich kann pingolenisch

Stell dir vor, du bist ein Pingolene.
Und stell dir vor, es gibt nicht viele Pingolenes auf der Welt. Manchmal denkst du, du bist der einzige und arrangierst dich in einer Welt mit Tarrallongas und Hallunberas.
Aber dann … dann begegnet dir ein Pingolene. Er jappst deine Sprache und erschafft zwischen den Worten Wohlfühloasen. Natürlich will er, dass du mit ihm kommst, weil er weiß, wie selten man auf Pingolenes trifft. Er will, dass du deine vertraute, aber doch fremde Heimat verlässt, um die Fremde an seiner vertrauten Seite kennen- und als wirkliche Heimat lieben zu lernen. Weil er weiß, dass sich das Angekommen-Gefühl für einen Pingolenen nur neben einem Pingolenen spüren lässt, und auch, weil du dort, wo du bist, nicht dort bist, wo deinesgleichen fehlt.

Die Frage ist, ob du ihm folgen würdest. Oder es irgendwann bereuen.

 

Beziehungsmüll

Das Altpapier ist durchgebrannt,
mit dem Zigarrenstumpen.
Ein angeknackstes Porzellanherz ärgert sich darüber
schwarz,
bis es am lieblosen Umgang zerbricht.
Leerer Joghurtbecher fühlt sich
schmutzig
und alle anderen
scheren sich einen Dreck darum.
In der Mülltonne geht’s zu
wie im richtigen Leben.