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Wie das Leben so bloggt
(Kurzprosa)

Klappentext:

Was treibt poppende Fliegen an? Sind Drachen in Wirklichkeit Verbündete des Helden? Warum ist der Löwe als Haustier ungeeignet?

Dieses Buch gibt Antworten auf Fragen, die man sich normalerweise nicht stellt und teilweise auch nicht stellen könnte.
Warum einem etwa das Glücklichsein auf die Nerven gehen kann, was es mit eskimotischen und fensterlosen Gefühlen auf sich hat oder warum sich der Magen des Autors verapfelt fühlt.

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Leseprobe:

Liebe meines Lebens

An einem Tag wie diesem, wenn es in der Wohnung unangenehm still ist und man sich aus-gestorben fühlt, dann fehlst du mir. Dann stelle ich mir vor, dass wir dort auf meinem Bett liegen, splitterfasernackt, und ich streichle über deinen Bauch.
Du erzählst mir von deinem Leben, von deiner Kindheit und dass du gerne auf dem Schoß deiner Oma gesessen hast, und sie dir von Opa erzählte, mit einem verträumten Blick in ihren Augen, der dir so gut in Erinnerung geblieben ist und der für dich später Ausdruck von Liebe war. Und während du schwelgst, werde ich mir unsere Enkelin vorstellen, auf deinem Schoß sitzend, und wie du ihr von mir erzählst, auch mit diesem ganz besonderen Blick.

Ich werde dich nach deinem ersten Liebeskummer fragen und auch, ob du ab und zu an mich gedacht hast, obwohl du mich noch nicht kanntest. Vielleicht werde ich in dir ein Gefühl auslösen können, das dich mit Herzklopfmomenten flutet. Und wenn du mir dann sagst, dass es dir ganz warm im Bauch wird, werde ich dir zuflüstern, dass ich es spüren kann, an meiner Hand, die deinen Nabel bedeckt. Du wirst dich hoffentlich darüber freuen, meine Nasenspitze küssen und mit deinem Atem meine Wange bekribbeln und dann mein Ohr. Vielleicht wirst du mir zuflüstern, dass du bei mir bleiben wirst, ein Leben lang, und mir Kinder schenkst, so viele, wie ich möchte.

Ich werde mindestens fünfzehn wollen, und das auch sagen, weil du es bist, und dir wird dann vielleicht anzusehen sein, dass es gerne auch mehr sein dürfen, weil ich es bin. Und wenn du mir von deinen großen kleinen Geheimnissen erzählst, etwa wie es zu der Narbe hin-ter deinem Ohrläppchen kam, oder dass du gerne Steine unter deinem Bett gehortet und lieber mit Regenwürmern statt mit Puppen gespielt hast, genau dann werde ich fühlen, dass du nur darauf gewartet hast, dass dich das Leben mit mir beschenkt.

Und dann werde ich dir von einem Tag wie diesem erzählen, wenn es in der Wohnung unangenehm still ist und man sich ausgestorben fühlt.

Routenplaner

Ich bin jetzt seit Monaten ohne Sex, einer gefühlten Ewigkeit also.
Wie eine nackte Frau ausschaut? Kann ich nicht mehr sagen, geschweige denn beschreiben, wie sich so eine anfühlt.
Hoffentlich druckse ich nicht herum, falls sich mal wieder eine in mein Bett verirrt. Könnte peinlich werden:
Ich mache und tue und werkle und sie spielt mir nach ein paar Augenroller das Navigati-onsgerät:
»Weiter links. Nein. Noch weiter. Das war zuviel. Jetzt ein Stückchen nach oben. Halt. Halt! Jetzt bist du zu oben.«
»Zu oben?«
»Ja. Runter. Ah! Ja! Und jetzt drücken.«
»Drücken?«
Ab dem Moment würde ich wohl tatsächlich das Gefühl haben, es mit einem Navigations-gerät zu tun zu haben, an dem ich irgendwelche Knöpfe bedienen muss.
»Ja, drücken!«
»Ich dachte, das hätte etwas mit Stoßen zu tun.«
»Beim Stoßen fühle ich mich als Frau nicht respektiert.«
»Öhm …«
»Ja! Und so ein wildes Gerammel hat was Animalisches.«
»Aha. Das klingt aber so … negativ.«
»Ist es ja auch!«
»Hm … irgendwie hatte ich Sex anders in Erinnerung.«
»Jetzt red nicht. Drücken.«
»Und wenn ich ein klein bisschen sto…«
»Nein!«
»Ein minikleinesbisschen nur.«
»Nein.«
Oje. Und am Schluss heißt es dann: »Herzlichen Glückwunsch. Sie haben Ihr Ziel erreicht.«

Fremdsprache Menschisch

Da stand ich nun unter der Brücke, vor mir der Fluss. Es war schon dunkel, und ich wollte mich ein wenig vor der Einsamkeit verstecken. Ich dachte mir, ich könnte ein paar Steine ins Wasser werfen und ihrem Glucksen zuhören, so zum Ablenken. Doch da waren keine Steine. Nur nasser Schnee, der schmatzte, wenn ich mit den Schuhen tippelte. Und als ich so dem Flusstreiben zusah, erkannte ich einen seltsamen Umriss. Sah aus wie ein in sich gekuschelter Fuchs.

»Hallo!«, rief ich, und schon streckte ein Schwan seinen Hals nach mir und schnatterte davon. Na ja, der hat mich wohl falsch verstanden. Und wie ich ihn so beobachtete, fiel mir ein, dass ich mich oft genug selbst falsch verstanden fühle.
Ist das nicht eigenartig? Da sprechen so viele Leute dieselbe Sprache, und doch begegnen einem so selten Menschen, von denen man sich auch wirklich verstanden fühlt.
Versteht ein Hai den Sing-Sang eines Wals? Versteht die Katze das Surren einer Mücke? Irgendwie habe ich ein wenig Angst davor, dass ich einer fast ausgestorbenen Art angehöre und mir niemand mehr begegnet, der meine Sprache spricht.

Vielleicht sind meine Worte auch für die meisten nur Steine, die man gerne ins Wasser wirft, um sich von der Einsamkeit abzulenken, und deren Glucksen man doch nie entziffern kann.